0 Sind wir nicht alle ein bisschen „Hoeneß“?

Es ist passiert: Ein Säulenheiliger ist vom Sockel gefallen – oder wurde er gefallen? Mediendeutschland ist bestürzt, entsetzt, ratlos. Ethik-Experten ergreifen das Wort, Finanzkritiker und auch die katholische Tagespost nimmt Stellung zur Causa Hoeneß. Aber mal langsam, was ist denn wirklich passiert? Da hat einer etwas getan, das zu Zeiten von FJS (Erklärung für die jungen Leser dieser Seite: FJS = Franz-Josef Strauß) normaler Alltag war: Wer ein Amt hatte, der schaffte was auf die Seite. Und über die Jahre gab es viele „Hoeneß“ und sie haben alle „dont’s“ bedient, über die sich – in steter Einheit – Bürger, Medien, gegnerische Politiker und gefragte und nicht gefragte Experten empörten: Steuerhinterziehung, Schmiergeld, allgemeine Vorteilsnahme.

Aller Empörung zum Trotz, entgegen allen erklärten Absichten,  es ist der deutschen Politik bis heute nicht gelungen, eine wirklich Transparenzregelung der Abgeordneten-Nebeneinkünfte zu schaffen. Noch immer ist die Anti-Korruptions-Konvention der UN nicht ratifiziert. Es scheint, dass der politische Geist willig ist, der politische Wille hingegen schwach. Aber auch wir Bürger sind nicht ohne: Vergessen wird in den großen Empörungswellen nämlich regelmäßig, dass es „normal“ geworden ist, eine beim Putzen heruntergefallene Vase zum Haftpflichtschaden eines Freundes zu machen. Und der Kratzer im Lack des neuen Autos, wozu hat man Freunde mit Kindern? Fachkreise der Versicherungsbranche sprechen, je nach Sparte, von 10 bis 50 Prozent betrügerischer Schadensmeldungen.

Warum also die Aufregung über Uli Hoeneß? Nur weil alle gedacht haben, er stünde kurz vor der Heiligsprechung?

Er hat doch auch viel Gutes getan. War im Stillen außerordentlich sozial engagiert. Hat Gerd Müller vom Alkohol befreit und noch manch anderem das Dasein verbessert.
Und jetzt wird er sich vor dem deutschen Volk entschuldigen, Abbitte leisten und weiter Gutes tun.

Wird das nicht anerkannt, verklagt er alle!

Aber: Dortmund gewinnt zur Strafe den Pott!

Also stellt Euch nicht so an und jeder fege vor seiner Tür und wer ohne Schmier …naja, der werfe den ersten Stein – oder auch nicht. Joschka hat auch aufgehört Steine zu werfen. Ach, was macht der eigentlich mit seinen Einkünften? Jetzt wo auch noch Madeleine da war?

In diesem Sinne – alles wird gut! (Obwohl, Britt ist auch abgesetzt)

Post Scriptum:

In Deutschland könnte ein neuer Wertmaßstab für Gier (vermutlich die wichtigste Antriebskraft für Uli Hoeneß) eingeführt werden:

Die Hoeneßpunkt-Skala – reicht von 1 HP (Hoeneßpunkt) bis 10 HP.

1 HP – nur sehr schwache, kaum ausgeprägte Anzeichen von Gier (Person möchte beim Spielen vielleicht auch mal gewinnen)
2 HP – ähnlich 1 HP, mit etwas deutlicher erkennbarem Gewinnwunsch
3 HP – der Gewinnwunsch wandelt sich erstmals in Richtung „ausschließlich gewinnen wollen“, jedoch noch ohne weitere Persönlichkeitsveränderungen
4 HP – Spielen heißt „gewinnen wollen“ – die gängigen Regeln werden jedoch beachtet
5 HP – Erstmals werden die gültigen Regeln (gelegentlich) überschritten – die sogenannte Siegermentalität zeichnet sich deutlicher ab
6 HP – Siegen bedeutet auch notfalls rücksichtslos zu sein, Spielregeln nicht zu beachten und gleichzeitig empathisch zu wirken
7 HP -Spielregeln gelten nur noch für andere – der zukünftige Hoeneß wird unangreifbar und durch ein dichtes Beziehungsnetzwerk geschützt
8 HP – Nicht nur „siegen aus eigener Kraft“ ist wichtig, auch das Netzwerk wird je nach Bedarf und Brauchbarkeit zum Siegen eingesetzt
9 HP – Fast schon ein Hoeneß, es fehlt jedoch noch „der letzte Biss“ – alle Kritiker werden verklagt!
10HP – Ein echter vollwertiger Hoeneß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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