0 Sepp, Otto, Wolfgang und Theo
und das Bundesverdienstkreuz

Jetzt wollen sie dem Sepp das Bundesverdienstkreuz wegnehmen – die blauäugigen Verleiher!
Denn es ist was passiert: Joseph Blatter, seit Jahren umstrittener aber unangefochtener Führer der international aufgestellten Multimillionen-Organisation FIFA, scheint in sehr ernsthafte Turbulenzen gekommen zu sein. Überraschende Turbulenzen? Aber nein, seit Jahren, spätestens jedoch seit der ISL-Pleite im Jahr 2001, ist allgemein bekannt, dass Schmiergeldzahlungen im Geschäftsbetrieb der FIFA zu den Alltäglichkeiten gehören. Aber wie groß auch immer die Vorwürfe gegen Blatter im Laufe der Jahre waren – er überstand sie alle. Und im Jahr des Sommermärchens war es dann so weit: Zwei Tage vor dem WM-Finale in Berlin, am 7. Juli 2006, erhielt er, überreicht von Angela Merkel, im Speisesaal des Kanzleramts das Bundesverdienstkreuz. Und das soll jetzt wieder nach Hause kommen – Orden is coming home!

Während es im Vorfeld der Verleihung eine große Zahl von Kritikern der Idee gab (u.a. Peter Struck, SPD: „Ich sehe dafür keine Notwendigkeit, ich würde es ihm nicht geben.“ und Reinhard Bütikofer, Die Grünen: „es wäre geschmacklos, Herrn Blatter das Bundesverdienstkreuz zu geben, während die Staatsanwaltschaft noch der Frage nachgeht, ob er möglicherweise im Zusammenhang mit zweifelhaften Vorgängen bei der Vermarktung von Fernsehrechten eine Mitverantwortung trägt“.), meinte Wolfgang Schäuble, er habe „keine Bedenken, im Gegenteil“. Er werde Blatter das Bundesverdienstkreuz „mit Freude“ überreichen.

Wir alle wissen, die Freude unserer Politiker war so groß, dass die Kanzlerin persönlich die Zeremonie durchführte.

Bekannt sein musste zum Zeitpunkt der Verleihung zum Beispiel, dass Joseph Blatter

  • den inzwischen vom Den Haager Kriegsverbrechertribunal zu 50 Jahren Haft verurteilten liberianischen Massenmörder Charles Taylor hofiert hatte und im Gegenzug dafür bei seiner Wiederwahl 2002 die liberianische Stimme erhielt.
  • dass Blatter wiederholt Kommitee-Mitglieder ernannt hat, denen kriminelle oder politische Vergehen vorgeworfen wurden (Justino Fernandes, Angola -Vergehen gegen die Menschenrechte; Jose Carlos Salim, Brasilien – Geldwäsche)

Die vorgenannten Einzelfälle und jede Menge weiterer fragwürdiger Geschäfte und Abwicklungen des Herrn Blatter sind und waren nachzulesen in den Veröffentlichungen des englischen Journalisten Andrew Jennings, dessen Recherchen im Jahr 2008 in das Buch „Foul – Die geheime Welt der FIFA“ eingeflossen sind. Ein weiteres Buch zum Thema FIFA liefert Thomas Kistner mit „FIFA Mafia – Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball

Im Fieber des Sommermärchens wurden die kritischen Stimmen 2006 weggefegt. Dafür ist der Chor der „Nehmt-ihm-das-Bundesverdienstkreuz-weg-Sager“ heute umso größer. Lächerlich.

Lieber zukünftig besser aufpassen, wer diese Auszeichnung bekommt.

Letzte Meldung:

In der Fachzeitung für Skandale und Affären schrieb schrieb F.J. Wagner (der Furchtbare) bereits im Januar 2011 über die FIFA und verglich sie mit der Mafia. Und auch sonst ist die Redaktion ganz schön böse: FIFA Boss Blatter zieht unser Sommermärchen in den Dreck

Heute, am 17. Juli 2012, stellt sich Theo Zwanziger, ehemaliger Präsident des DFB, hinter Blatter. Er wird mit den Worten zitiert: «Aus Sicht der FIFA-Exekutive ist er absolut tragbar. Der Reformprozess wäre gar nicht weitergegangen ohne ihn»

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