0 Der Christian, seine Freunde und das Amt
Was gibt’s Neues?

Es ist einige Zeit vergangen, seit wir das letzte Mal im Hannoveraner Steintorviertel belauscht haben, was ein illustrer Kreis von Menschen zu einem sehr aktuellen Thema zu besprechen hatte. Gestern war es wieder einmal so weit. Unser Lauscher hat seine Ohren ganz weit aufgemacht und – heimlich und unbemerkt – in dem bewussten Hinterzimmer an einem  Treffen von Ch., Ed., Ca., Eg., B. und V. teilgenommen.

Setting:
Es ist 19:30 Uhr CET, das Zimmer ist wie bekannt, ein einfacher Tisch und 7 Stühle. Anwesend sind bisher nur zwei weibliche Personen, B. und V. Auf dem Tisch 2 Pikkolo-Fläschchen Rotkäppchen trocken

B.:
Der Ch. hat ja jetzt alles ins Netz gestellt. Das ist ja schon toll, wenn man den Menschen so viel zum Lesen anbieten kann. Ich überlege, ob ich nicht meine Biografie auch gleich online machen soll. Frau im Spiegel hat zwar angefragt, aber zurzeit ist das ja alles schwierig. Was meinst Du denn V.?

V.:
Das würde ich jetzt nicht machen, das gibt nur neue Aufregung. Warte noch eine Zeit ab, dann kann man das gleich verfilmen. Der H. (bekannter Filmregisseur und Drehbuchautor) würde das bestimmt machen – und ich spiel dich dann.

B.:
Wie, was, du spielst mich dann? Und was wird aus mir?

In diesem kritischen Moment geht die Tür auf und Ch. betritt den Raum, gemeinsam mit Eg. und Ca.

Ch. und Eg.:
n’abend

Ca.:
Hallo Girls! Schon beim Prickelwasser? Gibt es was zu feiern?

Zwischenspiel:

Einwurf Ch.: Wer zahlt?

V.: Geht auf’s Haus!

Ch.: (sehr laut) Bedienung, zahlen!

Weiter am Tisch:

B.:
Wo ist denn Ed.?

Eg.:
Die will nicht mehr. Die ist sauer, weil es immer heißt, sie hätte gar nicht so viel Geld, um dem Ch. ein Haus zu finanzieren. Das käme alles von mir – und da ist sie stinkig drüber. Obwohl’s ja richtig ist. Eg. lacht verschmitzt.

Ch.:
Kinder, ich sag‘ Euch was: Ich glaub‘ wir haben’s geschafft. Die Jungs im Landtag haben klar festgestellt, dass alles eine reine Privatsache war. Sag ich ja auch schon immer – nich‘ wahr Eg. – da soll mal jetzt noch einer kommen. Und das mit den Stuttgartern Bänkern – vergiss es, kann doch jeder kriegen solche Konditionen, muss nur wissen wie. Und ich bin schließlich der Präsident.

B.:
Ja, und ich die First-Lady. Die sollen doch froh sein, wenn ich überhaupt Auto fahre.

Ca.:
Jaja, B. Du bist die First-Lady und Ch. ist der Präsident. So weit so gut. Aber kuckt euch doch mal an, was aus dem Kurzurlaub auf Malle geworden ist oder aus einem einfachen Mittagessen – alles skandalisiert. Mensch Ch. nimm Dir mal den G. (ehemals hochrangiger Politiker, der nach Abschluss seiner politischen Karriere ins Pipelinegeschäft gewechselt ist) als Beispiel. Das war ruckzuck erledigt. Nicht wie jetzt, Woche über Woche über Woche. Ich will endlich mal wieder Ruhe haben. Gell V., Du auch.

V.:
Ja Schatzi!

Ch.:
Was sind das denn für Töne? Soll man seinen Präsidenten angreifen, Ca.? Dass das mit dem G. schnell vorbei war, ist ja kein Wunder, der war ja nur ein Privatmann. Aber ich bin der Präsident. Da gibt es immer welche, die einem ans Leder wollen.
Schau dir den K. ( Chefredakteur einer großen deutschen Zeitung, berühmt für ihren Kampf um die Wahrheit) an, da denkste, du hast ein Freund und was ist? Nix is! Lässt andere seinen AB anhören – wenn das jeder machen würde? Nicht ein AB würde noch verkauft.

B.:
Recht hast du Ch. Der weiß gar nicht, wie sehr er der deutschen Wirtschaft mit solchen Aktionen schadet. Und du musst dann die AB-Hersteller mit auf deine Reisen nehmen, damit die sich wieder erholen.

Eg.:
Dass das mal gleich klar ist – bei denen fahr ich nicht mit. Und Ed. bleibt auch hier.

Ed.:
Die besten Damenprogramme macht sowieso der Ca. – gell, Ca.?

In diesem Augenblick geht die Tür auf und der bereits bekannte Chef eines Motorradfahrerfreundeskreises betritt den Raum. Er geht zu Ch. und reicht diesem ein Mobiltelefon.

Ch.:
Hallo, hier spricht der Präsident. Wer da?

Ch. springt auf und wirft dabei seinen Stuhl um. Sein Gesicht rötet sich und er brüllt ungehalten ins Telefon „Nein, wir sind nicht mit dem Bobby-Car in Urlaub gefahren. Das geht nämlich gar nicht. Blöde Kuh!“ und wirft das Mobiltelefon an die Wand.

Sprachlos sitzt die Runde am Tisch da. Es ist der Chef des Motorradfahrerfreundeskreises, der zuerst seine Sprache wieder findet: Mit den Worten „Ch. das war mein Mobiltelefon“ packt er den Präsidenten am Revers seines Jackets und sucht in den Taschen nach dessen Mobiltelefon, nimmt dieses, als er es endlich findet, an sich und streicht mit einer flüchtigen Geste das verrutschte Revers wieder glatt. In diesem Moment fragt

B.:
Wer war das?

Tja, mit dieser Frage lassen wir Sie für heute allein. Wer war die unbekannte Anruferin? War es die Regierungschefin? War es die Frau des Bobby-Car-Herstellers, die eine neue Werbekampagne plant? Oder war es die Mitarbeiterin einer Anwaltskanzlei, die die Anfrage eines Journalisten bearbeiten sollte?

Schlussbemerkung:
Was Sie soeben gelesen haben, ist so nicht passiert. Wir haben keinen Lauscher im Steintorviertel und wir kennen auch kein Hinterzimmer in der Scholvinstraße. Alles ist reine Spinnerei. Scheinbare Ähnlichkeiten können vorkommen, sind nicht zufällig. Trotzdem ist alles Spinnerei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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