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Deutsche Mineralölgesellschaften schweigen zu Deepwater Horizon

Dieter Schütz;Pixelio

TOTAL beantwortet Anfrage – Esso, Shell und ARAL schweigen!

Ölgesellschaften sind verschwiegen und Transparenz ist selbst im Krisenfall (siehe BP) nicht selbstverständlich.
Das bestätigt z.B. ein Bericht des Carbon Disclosure Project [1] (CDP), dessen strategischer Partner in Deutschland der World Wide Fund For Nature (WWF) ist. Mangelnde Transparenz und fehlendes Risikobewusstsein wird auch dafür verantwortlich sein, dass es bis heute keine internationalen Sicherheitsstandards für (Tief)seebohrungen gibt. Es ist ja nichts passiert – bis Deepwater Horizon passierte.

Jetzt allerdings ist auch die deutsche Politik aufgewacht und es werden Fragen nach der Sicherheit der Ölbohrungen in der Nordsee laut. So fordert die EU-Kommission einen Stopp von neuen Ölbohrungen [2] in dieser Region. Gleichzeitig wird vor Hysterie und Überreaktion (Interview Herbert Reul [3], MdE und Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie im Europaparlament, im DLF) gewarnt und darauf hingewiesen, dass eine EU-Vorschrift die beiden bedeutendsten Förderländer Europas, England und Norwegen, nicht zu deren Einhaltung verpflichten würde.

Nach dem Motto „in Deutschland heißt BP  ARAL, hat die Grünen Vorsitzende Claudia Roth im Mai sogar indirekt zu einem Verbraucherboykott [4] der blau-weißen Marke aufgerufen.

Während ein Teil der Branche die Katastrophe zwar bedauert, aber trotzdem den Standpunkt vertritt, dass es ohne Tiefseebohrungen nicht geht, spricht ein Protagonist der Branche sogar davon, dass ein Moratorium der Tiefseebohrungen die Energiewende einläuten, sie zumindest erleichtern könnte. Steffen Bukold, Herausgeber Global Oil Briefing in ZEIT ONLINE [5].

Trotz aller öffentlichen Diskussionen gehört die Redaktion der Buergerlobby zu den ersten, die eine direkte Stellungnahme aus der deutschen Mineralölwirtschaft erhalten hat. Nach dem wir am 3. Juli gefragt hatten „Was sagen die deutschen Mineralölgesellschaften zum Desaster im Golf von Mexico [6]?“ und diese Faage an die Unternehmensleitungen von ARAL, Shell, Esso und TOTAL weitergegeben haben, liegt uns jetzt eine erste Antwort vor.

In dem Schreiben versichert der Geschäftsführer Hans-Christian Gützkow, dass seine Gesellschaft weltweit hohe Sicherheitsstandards einhält und diese nach den zu erwartenden Erkenntnissen aus der Aufarbeitung der Deepwater Horizon-Katastrophe – falls erforderlich – weiter erhöhen wird.

Er widerspricht gleichzeitig Medienberichten, wonach die Bohrtechnik in tiefen Gewässern eine Innovation mit unbekannten Faktoren und Rahmenbedingungen sei. Vielmehr handle es sich dabei um ein Verfahren, dass im Laufe der letzten 30 Jahre entwickelt und erprobt worden sei und das sich vielfach bewährt hat.
Eine Beurteilung, an der man starke Zweifel bekommt, wenn man einen Artikel auf nola.com [7], der Online-Ausgabe der Times Picayune New Orleans, liest. Unter dem Titel „Deepwater Horizon Ölteppich deckt die Times Picayune New Orleans schonungslos die Schwächen einer Industrie auf [8]„.

An konkreten Maßnahmen hat man bei TOTAL eine Task-Force zum Thema „Offshore Bohrungen“ und eine zweite Task-Force zum Thema „Absaugen von austretendem Öl bei Tiefseebohrungen“ eingerichtet.
Bemerkenswert ist vor allem die Task-Force, die sich mit dem Thema „absaugen“ beschäftigt. In den Risikoplanungen der Gesellschaften war dieses Thema vernachlässigt –  obwohl es bereits 1979 einen ähnlichen Unfall gab und die Abdichtungsversuche von heute fast denen von damals entsprechen.

Schreiben TOTAL vom 05.07.2010 Seite 1 [9] / Seite 2 [10]