0 Produktrückrufe in Deutschland – ein Angebot, das im Versteckten bleibt

Quelle: pixelio ; Foto: Rike

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Im Zuge eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojektes untersucht der Lehrstuhl für „Innovation, Neue Medien und Marketing“ der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel die Effizienz verschiedener Medien-Kanäle bei Rückrufaktionen. Mit Hilfe eines Fragebogens wollen die Kieler Wissenschaftler vom Konsumenten häufig genutzte Medienkanäle identifizieren. Hierbei steht vor allem die Frage im Vordergrund, wo im Falle eines Rückrufes ein Unternehmen seine Kunden am besten und schnellsten erreichen kann.

Fast täglich kommt es in Deutschland zu Rückrufaktionen und Verbraucherwarnungen. Zeitpunkt, Form, Umfang, Ort und Dauer einer Öffentlichmachung liegen dabei grundsätzlich im freien Ermessen verantwortlicher „Inverkehrbringer“ Behörden – wenn diese überhaupt unterrichtet werden – informieren auf unterschiedlichste Art und Weise, immer jedoch nur nach fachlicher oder regionaler Zuständigkeit.
F
ür deutsche Verbraucher ist es somit sehr oft Glückssache, Informationen zu gefährlichen Produkten überhaupt und rechtzeitig zu erhalten. Diesen Zustand ändert die Internetseite  http://www.produktrueckrufe.de/

Nachfolgend ein Auszug aus den Rückrufen im Monat April:

Weltweiter Rückruf von künstlichen Hüftgelenken der Firma DePuy:

Im  August 2010 informierte die Firma Depuy, Tochter des US-Konzerns Johnson & Johnson (eine Firma, die ausgesprochen gerne mit ihrer Unternehmensgröße prahlt), zum zweiten Mal über Probleme mit dem von ihr gelieferten Produkt. Aber ebenso wie die Meldung aus dem April 2010 blieb auch die Warnung vom August zunächst ohne weitergehende Reaktionen seitens öffentlicher Stellen.
Erst im September 2010 schaltet sich auch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ein und veröffentlicht einen diskreten Hinweis auf diese Rückrufaktion. Einen Hinweis, den kaum einer der 5.500 Betroffenen in Deutschland so ohne weiteres finden dürfte.

Ein insgesamt skandalös zu nennender Informationsfluss, an dessen Verbesserung aber außer den betroffenen Patienten kaum jemand wirklich Interesse zu haben scheint. Wenn es stimmt, was der Spiegel im April 2011 berichtet, nämlich „Allein in Deutschland wurden in 157 Krankenhäusern 5500 dieser DePuy-Implantate eingesetzt. Fachleute rechnen damit, dass die meisten irgendwann vorzeitig ausgetauscht werden müssen. Es geht um Kosten in dreistelliger Millionenhöhe. Die Affäre könnte sich zu einem der größten Schadensfälle der deutschen Medizingeschichte entwickeln.“, dann ist diese Zurückhaltung allerdings schnell erklärt.

In der Liste der Rückrufe im April ist auch der deutsche Rückrufweltmeister KIK wieder vertreten. Diesmal mit einer Damenjeans, bei deren Herstellung Azo-Farbstoffe verwendet wurden. Diese Farbstoffe steigern das  Krebsrisiko und gefährden die Organgesundheit. Der Hinweis erfolgt, wie immer bei KIK, so versteckt wie eben möglich. Versuchen Sie einmal ihn zu finden!

Mit TK Maxx ist ein weiterer Billig-Anbieter für (Kinder-)kleidung genannt. Er ruft Babystrampler zurück, bei denen sich Druckknöpfe lösen können.

Die mangelhafte Öffentlichkeit bei der Bekanntgabe von Rückrufen hängt zweifellos mit einer zu laschen Gesetzgebung zusammen. Wenn für Hersteller und Händler unmissverständlich klar wäre, dass Verletzungen aufgrund von bekannten, aber nicht oder nicht rechtzeitig bekanntgegebenen Fehlern einer strafbewehrten fahrlässigen oder grob fahrlässigen Körperverletzung gleichkommen, wäre dies anders. Bis dahin werden Firmen im Fall von Gefahren jedoch immer erst einmal abwägen: „Wie hoch ist das Risiko, dass etwas passiert? Was kostet ein Rückruf? Wie stark leidet das Image durch den Rückruf? Wie viel müsste die Firma zahlen, wenn sie nichts tut und Unfälle geschehen?“

Links zum Beitrag:

Produktrückrufe Die Rechte der Kunden – Stiftung Warentest

Schwer zu finden – Informationen über Verbraucherwarnungen und Produktrückrufe – Presse-Anzeiger

 

 

 

 



 

 

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