0 Bürgerprotest muss nicht Pegida heißen!

Wir lassen uns nicht mehr alles gefallen!
Diese Erkenntnis dürfte inzwischen viele Politiker und auch manchen Manager erreicht haben. Dass trotz dieser Erkenntnis, sowohl in der Politik, wie auch in der Wirtschaft, häufig nach dem Motto „aussitzen und weiter so, das läuft sich tot“ verfahren wird, das ist sicher ein Grund für das Entstehen von Bewegungen wie Pegida.
Gefährlich sind solche Bewegungen nicht per se, denn für sie gilt das Gleiche wie das eben gesagte für Politik und Wirtschaft, „das läuft sich tot“.
Trotzdem leisten sie einen schädlichen Beitrag zur Entwicklung des sozialen Klimas in unserer Gesellschaft – indem sie nämlich frühzeitig (und nicht einmal klammheimlich) von rechten Demagogen vereinnahmt werden und so dazu beitragen dumpf reaktionäres Gedankengut zu verbreiten.

Und deshalb ist es gut, dass es Harro Honolkas „Jetzt reicht’s“ gibt. 50 Anleitungen zum Bürgerprotest. Und nicht genug damit: Um den Unzulänglichkeiten eines Buches zu begegnen – ist es einmal gedruckt, kann es von der Aktualität überholt werden – gibt es die Internetseite www.anleitungen-buergerproteste.deMit Buch und Internetseite wird jeder von uns unabhängig von Rattenfängern wie Bachmann und Konsorten und kann seinen Protest auf vielfältige Weise artikulieren.

Hans Honolka zitiert zu Beginn seines Buchs noch einmal sehr deutlich die beiden häufigsten Gedanken, die uns als Bürger und Verbraucher angesichts von Steuergeldverschwendung, Drehtür-Lobbyismus, Ämterpatronage und ähnlichem durch den Kopf gehen: „Da kann man nichts machen“ (verbunden mit dem hinunterschlucken des Ärgers) und „Beim nächsten Wahltag ist Zahltag“ (verbunden mit dem Wissen, dass sich wie schon nach der letzten Wahl nicht viel ändern wird).

Und dann die neue Möglichkeit: Sie tun etwas!

Honolkas Buch ist der Ausweg für all diejenigen von uns, die zwar gerne mal „etwas tun“ wollen, bisher aber meist in dem Stadium „man müsste wirklich mal….“ verharrt haben.

Gut an dem Buch ist auch, dass deutlich vor Scheinerfolgen gewarnt wird. Politiker sind

„Meister in der Kunst des nur verbalen Nachgebens. Wenn sie mit Bürgerprotesten konfrontiert werden, fürchten sie um ihre Reputation und um zukünftige Wählerstimmen. Mit verbalen Zugeständnissen versuchen sie aus den Schlagzeilen zu kommen und setzen auf die Vergesslichkeit der Bürger.“

Und ähnliches gilt für die meisten Unternehmen:

„Sie reagieren geradezu entgegenkommend, wenn man ihnen öffentlich sozial oder ökologisch unverantwortliches Wirtschaften vorwirft, zu einem tatsächlichen Boykott muss es meistens nicht kommen. Besonders Markenfirmen geloben rasch Besserung, damit ihr Image nicht Schaden erleidet.“

Aber halten die Firmen auch, was sie versprechen? Die Nachprüfungen der NGO zeigen leider oft, dass Konsumentenproteste mit allerlei Tricks unterlaufen werden. Ein schönes Beispiel für die Halbwertszeiten solcher Versprechungen sind übrigens auch die vielen „freiwilligen Selbstverpflichtungen“ der Industrie in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Prüfen Sie einmal selbst welche davon erfüllt wurden.

So wie der Verfasser auf die Risiken des „abfederns“ von Protesten durch die Adressaten hinweist, so weist er auch auf die Gefahren hin, die in den Reihen der Absender des Protests zu finden sind. Die Gefahren nämlich, dass Protest durch Shitstorms, Querulantentum und überschäumende Wutbürger an Substanz und Qualität verliert. Er akzeptiert Wut zwar als einen möglichen Treibsatz für manchen Protest, sieht aber deren positive Kraft nur solange sie im Interesse des Gemeinwohls legitimierbar bleibt.

Sehr hilfreich auch Honolkas Checkliste „10 Argumente für Bürgerproteste“ – die sich sowohl bei der Argumentation gegenüber Kritikern wie auch bei der „Akquisition“ von Mitprotestierern als hilfreich erweisen dürfte.

Und dann geht’s los mit den Aktionen.

Anstatt diese nun hier aufzulisten, beschränken wir uns auf einen Link  ZU DEN AKTIONEN

Dem aufmerksamen Leser von „Jetzt reicht’s“ wird, bei aller Freude über die vielfältigen Anregungen selbst etwas zu tun um Veränderung und Verbesserung zu erreichen, eines nicht entgehen: Von der Artikulierung eines Protests bis zum Eintritt der Veränderung ist es oftmals ein langer Weg.

Protest mit Chance auf Erfolg braucht eine klare Form, ein erkennbares Ziel statt diffuser Allgemeinplätze und aktive Unterstützer nicht nur anonyme Mitläufer!

Deshalb kann erfolgreicher Bürgerprotest nicht Pegida heißen!

Jetzt reicht’s
50 Anleitungen zum Bürgerprotest
von Harro Honolka
Westend Verlag
ISBN 978-3-86489-050-5

 

{ 0 Kommentare... Schreibe einen Kommentar }

Sie können entweder das Formular ausfüllen oder sich mit Ihren Facebook-Konto anmelden, um Kommentare schreiben zu können.

 

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

 

Zum Absenden bitte folgende Aufgabe lösen: *