1 Worüber die Presse nicht (ausreichend) berichtet
Top-Ten der Initiative Nachrichtenaufklärung!

Seit 1997 veröffentlicht die Initiative Nachrichtenaufklärung jedes Jahr eine Liste mit den 10 Themen, die das Land bewegen sollten – es aber nicht tun. Nach dem Vorbild des US-amerikanischen Project Censored will die Jury Themen ins Licht der Öffentlichkeit stellen, über die in den Medien nicht oder nicht ausreichend berichtet wird. Gefunden werden die Themen durch eigene Recherchen und über die Meldungen von interessierten Bürgern. Wenn Ihnen also ein Thema begegnet, das von allgemeinem Interesse ist und von dem Sie glauben, dass es zu wenig Beachtung findet, dann melden Sie es der INA.

Die Auswahl der Themen erfolgt in mehreren Stufen. Zunächst werden die eingereichten Vorschläge von Studierenden an deutschen Hochschulen (z.B. am Institut für Journalistik an der Uni Dortmund oder im Zentrum für Kommunikations- und Medienwirtschaft der Uni Bonn) auf die Erfüllung der Nominierungskriterien untersucht. Daraus wird eine Vorauswahl getroffen und 20 Themen werden zur Ermittlung der Top-Ten an die Jury gegeben.

Die Jury besteht neben dem Gründer der Initiative Nachrichtenaufklärung, Prof. Dr. Dr. Peter Ludes, der an der  Uni Bremen lehrt,  aus einer Reihe weiterer, hochkarätiger Spezialisten aus dem universitären Bereich und aus Journalistik und Medien.

Die Top Themen 2011:

1. Bankenrettung ohne wirksame parlamentarische Kontrolle
Der Sonderfonds für Finanzmarktstabilisierung – kurz Soffin – und seine mangelnde Kontrolle durch das Parlament  ist für die Jury das Topthema  des Jahres.

2. Flächendeckend Schadstoffe an den Schulen in NRW
Aus Einzelfallschilderungen – u.a. im WDR – ist das Problem der Jury bekannt geworden. Vermisst werden eine zusammenhängende Berichterstattung und Stellungnahmen der Behörden zum Thema Altlasten.

3. Militärforschung an deutschen Hochschulen
Jährlich 1 Milliarde Euro für Militärstudien an deutschen Hochschulen. Insgesamt 48 Hochschulen sind an solchen Projekten beteiligt. Bemängelt wird eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema, z.B. über Zivilklauseln in den Hochschulstatuten.

4. Grundrecht auf Gesundheit – nicht für alle
Hier spricht die Initiative über die medizinische Versorgung von Menschen, die in ungesichertem Aufenthaltsstatus in Deutschland leben (Menschen mit Duldung, Asylsuchende mit schwebenden Verfahren und schätzungsweise 1/2  Million illegal in Deutschland Lebender). Vermisst wird in diesem Zusammenhang z.B. die Debatte über die Einhaltung der Menschenrechte.

5. Ärztliche Versorgung in Altenheimen mangelhaft
Die Bewohner von Altenheimen werden wegen dort fehlender medizinischer Möglichkeiten unnötig oft in Krankenhäuser eingewiesen. Mit Gesetzen und Reformen soll dem seit längerem entgegengewirkt werden, das ist aber bisher erfolglos geblieben.

6. Der vergessene Krieg im Kaukasus
Obwohl der Tschetschenien-Krieg offiziell für beendet erklärt wurde, finden nach wie vor Menschenrechtsverletzungen durch die tschetschenische Regierung und durch Rebellen statt. Berichtet wird darüber jedoch nur noch äußerst selten. Nachrichtenmüdigkeit der Medien macht somit den Krieg zu einem vergessenen Krieg.

7. Doping im Fußball
Zwei nordkoreanische Fußballerinnen sind die ersten, über die in größerem Stil berichtet wurde. Ansonsten wird das Thema am liebsten totgeschwiegen, aus Angst, den guten Kontakt zu den Spielern zu verlieren.

8. Alternative Geldsysteme
Die Ideen und systemkritischen Ansätze alternativer Geldtheoretiker bleiben auf Fachmagazine beschränkt. Nutzen und Grenzen der verschiedenen Modelle bekommen auch angesichts der derzeitigen Finanzkrise keine angemessene Aufmerksamkeit in den Massenmedien

9. Der Nocebo-Effekt
Der Nocebo-Effekt, oft auch als negativer Placebo-Effekt bezeichnet – beruht, wie auch der Placebo-Effekt, unter anderem auf einer bestimmten Erwartungshaltung, die schwerste negative Folgen haben kann. Das weiß man zwar, aber es ist weder Ärzten noch der breiten Öffentlichkeit hinreichend bekannt.

10. Die Misere der Erfinder in Deutschland
Von der schlechten Situation angestellter Erfinder über den steinigen Weg zur Anerkennung einer Erfindung als Patent bis zur Vorliebe der Presse, nur über Skurriles zu berichten. Deutschland ist ein schweres Land für Erfinder und die Medien tun zu wenig, um das zu verändern.

Das Spektrum der Themen ist breitgefächert und zeigt, dass es in vielen Bereichen möglich wäre, Veränderung und Verbesserung anzustoßen, wenn nur mehr Öffentlichkeit geschaffen würde. Leider wird es jedoch auch in diesem Jahr wieder so sein, dass das Interesse der Medien gering und nur sehr kurz sein wird.  Dies hat ein Jurymitglied auch in einem Rundfunkinterview anlässlich der diesjährigen Veröffentlichung der Top-Ten-Themen beklagt.

Die Erklärung für diese Situation ist allerdings so einfach wie erschütternd. Vielen Journalisten bleibt nicht mehr die Zeit, um rechercheintensive Themen – und um solche handelt es sich bei den Top-Ten – von Grund auf zu bearbeiten. Der Druck „Auflage zu machen“ und der Druck der  Tagesaktualität verhindern das. Das ist auch der Grund, weshalb freie Journalisten solche Themen eher selten aufgreifen. Für sie besteht das Risiko, aufwändige Recherchearbeit mit Interviews und Reisen umsonst zu machen, weil ihr Thema „nicht gekauft“ wird.

Hier besteht also eine große Aufgabe für das gesamte Web 2.0 – Blogs, facebook, twitter, google  und alles, was es sonst noch gibt, ist aufgefordert die Themen der Initiative Nachrichtenaufklärung im Licht der Öffentlichkeit zu halten. Dann finden – irgendwann – auch die klassischen Medien Interesse daran.

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    Stefan Wehmeier

    Was religiöse Menschen verstehen

    „Im Grunde ist Politik nichts anderes als der Kampf zwischen den Zinsbeziehern, den Nutznießern des Geld- und Bodenmonopols, einerseits und den Werktätigen, die den Zins bezahlen müssen, andererseits.“

    Otto Valentin („Warum alle bisherige Politik versagen musste“, 1949)

    Im Jahr 2007 fehlten allein in der Bundesrepublik Deutschland 38 Millionen (noch) arbeitenden Menschen (Zinsverlierer) im Durchschnitt 1200 Euro monatlich an ihrem vollen Arbeitsertrag, um für 4 Millionen Geld-, Sachkapital- oder Bodenbesitzer (Zinsgewinner) mit höchst ungleicher Verteilung ein (leistungsloses) Kapitaleinkommen von insgesamt 550 Milliarden Euro zu erarbeiten. Wie es der (halbwegs zivilisierten) Menschheit gelingen konnte, nach dem 2. Weltkrieg (letzte umfassende Sachkapitalzerstörung, um den Zinsfuß hochzuhalten) noch so lange zu überleben, ist überraschend, nicht die „Finanzkrise“ (beginnende globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon).

    Die Beendigung der „Finanzkrise“ durch den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation (Natürliche Wirtschaftsordnung) ist keine Frage der Politik, sondern der Religion, weil nur religiöse Menschen (Untertanen) ihre (sinnfreie) Existenz – von einem (zwangsläufigen) Krieg bis zum nächsten – in einer kapitalistischen Marktwirtschaft (Zinsgeld-Ökonomie, zivilisatorisches Mittelalter) ertragen können. Denn sie wissen weder, wozu es Politik und Religion überhaupt gibt, noch können sie die Worte in den Klammern verstehen und wollen sie auch gar nicht erst verstehen. Das Einzige, was sie eventuell schon jetzt verstehen, ist, dass der Krieg nur solange der Vater aller Dinge sein konnte, wie es noch keine Nuklearwaffen gab.

    http://opium-des-volkes.blogspot.com/2011/07/die-ruckkehr-ins-paradies.html

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